Psychosoziale Beratung im Studierendenwerk: Angebot, Wartezeit und Weg dorthin

Die psychosoziale oder psychologische Beratung der Studierendenwerke ist für eingeschriebene Studierende in der Regel kostenlos, vertraulich und ohne Krankenkassenkarte zugänglich. Wenn Sie studieren und es Ihnen nicht gut geht, ist sie oft die richtige erste Adresse.
Dieser Beitrag erklärt, was die Beratungsstellen anbieten, mit welchen Wartezeiten Sie rechnen sollten und wie die Anmeldung meistens abläuft.
Was bieten die Studierendenwerke an?
Kurze Beratung in Einzelgesprächen, dazu Gruppen und Workshops, für Studierende meist kostenlos.
Laut dem Zahlenspiegel 2024/2025 des Deutschen Studierendenwerks hatten 2024 45 der 57 Studierendenwerke ein psychologisches Beratungsangebot. Rund 42.000 Studierende nutzten Einzelgespräche, es wurden etwa 134.000 Beratungskontakte gezählt. Ungefähr 8.000 Studierende nahmen an Gruppen teil. Das DSW schreibt selbst, dass die tatsächlichen Zahlen etwas höher liegen dürften, weil nicht alle Kontakte erfasst wurden.
Das Angebot ist bewusst kurz angelegt. Beim Studierendenwerk München Oberbayern stehen im Durchschnitt drei Gespräche von je 50 Minuten pro Fall zur Verfügung. Es geht darum, eine Lage zu sortieren, erste Schritte zu finden und wenn nötig den Weg in eine Psychotherapie zu bahnen.
Typische Themen sind laut DSW Arbeitsstörungen, Prüfungsängste und Schwierigkeiten beim Studienabschluss, in München auch Beziehungskonflikte und Trennungen. Das DSW beobachtet laut Zahlenspiegel, dass immer häufiger Studierende mit schweren Belastungen kommen, etwa ausgeprägten Ängsten, Depressionen oder Suizidgedanken.
Wie lange warte ich auf einen Termin?
Das hängt stark vom Ort ab. Fragen Sie bei Ihrem Studierendenwerk nach.
Eine aktuelle bundesweite Zahl gibt es nicht. Beim Studierendenwerk München Oberbayern beträgt die Wartezeit auf ein Erstgespräch laut eigener Angabe (Stand Oktober 2026) in der Regel etwa eine Woche. Anderswo kann es länger dauern. Wenn Sie warten müssen, liegt das meist nicht an schlechter Arbeit, sondern an zu wenig Personal für viele Anfragen.
Wie melde ich mich an?
Meist per Telefon oder Mail an die Beratungsstelle Ihres Studierendenwerks, ohne Überweisung und ohne Krankenkassenkarte.
So läuft es zum Beispiel in München:
- Sie rufen zu den Telefonzeiten an (dort Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr).
- Sie bekommen einen Termin für ein Erstgespräch, vor Ort, per Telefon oder per Video.
- Im Gespräch klären Sie mit der beratenden Person, was Sie brauchen und ob weitere Termine oder eine Gruppe sinnvoll sind.
Für Studierende, die den Studierendenwerksbeitrag bezahlt haben, ist die Beratung dort kostenlos. In München ist die Beratung auch anonym möglich, Krankenkasse und Hochschule erfahren nichts davon.
Ihre Beratungsstelle finden Sie über die Website Ihres Studierendenwerks oder Ihrer Hochschule, oft unter „Beratung“ oder „Psychologische Beratung“. Manche Hochschulen haben eine eigene Stelle, etwa die Psychologische Beratungsstelle der FernUniversität in Hagen, die ebenfalls kostenlos und vertraulich berät.
Was, wenn ich nicht warten will?
Dann gibt es mehrere Wege. Sie schließen sich gegenseitig nicht aus.
- Melden Sie sich trotzdem an. Ein Termin in drei Wochen ist besser als keiner. Die Wartezeit läuft, während Sie anderes ausprobieren.
- Fragen Sie nach Gruppen und Workshops. Viele Beratungsstellen bieten sie zusätzlich zu Einzelgesprächen an.
- Rufen Sie die Telefonseelsorge an, wenn Sie heute mit jemandem sprechen möchten: 0800 111 0 111, kostenlos und rund um die Uhr. Es gibt auch einen Chat nach Registrierung, meist mit vereinbartem Termin.
- Suchen Sie parallel einen Therapieplatz, wenn Sie vermuten, dass Sie psychisch erkrankt sind. Wie das im Studium geht, steht im Beitrag Therapieplatz im Studium.
Wenn Sie zusätzlich zeitnah mit jemandem sprechen möchten, ist psychologische Beratung bei einem privaten Anbieter eine Ergänzung. Studifit ist so ein Angebot: Beratung per Video, oft auch abends. Freie Termine sehen Sie bei der Buchung sofort. Es kostet Geld, die aktuellen Preise stehen auf der Preisseite. Studifit ist keine Psychotherapie, keine Kassenleistung und stellt keine Diagnosen. Es ersetzt weder das Studierendenwerk noch eine Therapie.
Studierendenwerk, Beratung oder Therapie: der Unterschied
| Studierendenwerk | Psychologische Beratung (z. B. Studifit) | Psychotherapie | |
|---|---|---|---|
| Kosten | meist kostenlos | selbst bezahlt | Kassenleistung |
| Zugang | nur für Studierende der zugehörigen Hochschulen | Studierende und Azubis | mit Krankenversicherung |
| Umfang | wenige Gespräche | so viele Sitzungen, wie Sie buchen | nach Antrag, oft viele Sitzungen |
| Behandlung von Erkrankungen | nein | nein | ja, durch approbierte Psychotherapeut:innen |
Auszubildende können das Angebot der Studierendenwerke nicht nutzen. Für sie gibt es andere kostenlose Stellen, die wir im Beitrag Stress in der Ausbildung zusammengestellt haben.
In einer akuten Krise
Wenn Sie an Suizid denken oder in akuter Gefahr sind, warten Sie nicht auf einen Beratungstermin. Die Telefonseelsorge erreichen Sie unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, den Notruf unter 112. Weitere Nummern stehen auf der Seite Hilfe in einer Krise.
Quellen
- Deutsches Studierendenwerk (2025): Studierendenwerke im Zahlenspiegel 2024/2025
- Studierendenwerk München Oberbayern: Psychotherapeutische und psychosoziale Beratung, abgerufen am 21.10.2026
- FernUniversität in Hagen: Psychologische Beratungsstelle
Alle Angaben in diesem Artikel wurden sorgfältig recherchiert, erfolgen jedoch ohne Gewähr. Angebote, Wartezeiten und gesetzliche Regelungen können sich ändern. Stand: Oktober 2026.