Stress in der Ausbildung: Konflikte, Druck und Gedanken an den Abbruch

Stress in der Ausbildung ist verbreitet: Die Hälfte der Auszubildenden fühlt sich psychisch belastet. Bei Konflikten im Betrieb helfen kostenlos die Ausbildungsberatung der Kammer, die Jugend- und Auszubildendenvertretung und die Gewerkschaftsjugend. Bevor Sie kündigen, lohnt sich ein Gespräch mit einer dieser Stellen.
Wie belastet sind Auszubildende?
Etwa die Hälfte fühlt sich psychisch belastet. Viele finden im Betrieb und in der Berufsschule niemanden zum Reden.
Im Ausbildungsreport 2026 der DGB-Jugend mit 13.227 Befragten aus den 25 häufigsten Berufen geben 50,6 Prozent an, psychisch belastet zu sein. 41,7 Prozent der Belasteten kreuzten an, dass sie mit niemandem darüber sprechen können. Gefragt war dabei nach Betrieb, Berufsschule und Beratungsangeboten, Familie und Freund:innen standen nicht zur Auswahl. Etwa ein Drittel (35,4 Prozent) macht regelmäßig Überstunden.
Eine Befragung von Bertelsmann Stiftung und Institut der deutschen Wirtschaft aus dem Jahr 2026 kommt zu einem ähnlichen Bild. Knapp 20 Prozent fühlen sich durch die Ausbildung fast immer oder häufig emotional belastet. Rund jede siebte befragte Person in Ausbildung berichtet ein besorgniserregend schlechtes Wohlbefinden.
| Was belastet am Ausbildungsplatz | Anteil der Azubis, die das als stark belastend empfinden (DGB 2026) |
|---|---|
| Leistungs- und Zeitdruck | 20,9 % |
| Personalmangel | 19,6 % |
| Verantwortungsdruck | 19,2 % |
Dazu kommen private Sorgen. Mehr als die Hälfte nennt private Belastungen, am häufigsten Geld und Wohnen.
Wie viele Ausbildungen werden gelöst?
Fast drei von zehn Verträgen, aber das ist keine Abbruchquote.
Laut Datenreport des Bundesinstituts für Berufsbildung wurden 2024 rund 159.000 Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Die Vertragslösungsquote lag bei 29,7 Prozent. Gut ein Drittel der Lösungen fand noch in der Probezeit statt. Das BIBB betont: Etwa die Hälfte der Betroffenen schließt zeitnah wieder einen Ausbildungsvertrag ab.
Ein Vertrag, der endet, ist also häufig ein Wechsel und kein Ende der Ausbildung.
Wer hilft bei Konflikten im Betrieb?
Die Ausbildungsberatung der Kammer, die JAV und die Gewerkschaftsjugend, alle kostenlos.
| Problem | Anlaufstelle | Grundlage |
|---|---|---|
| Ausbildungsfremde Aufgaben, fehlende Anleitung, Ärger mit Ausbilder:innen | Ausbildungsberater:innen Ihrer Kammer (IHK, Handwerkskammer und andere) | § 76 BBiG |
| Überstunden, Arbeitszeit, Konflikte im Team | Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) oder Betriebsrat | § 60 und § 70 BetrVG |
| Rechtsfragen, wenn es keine JAV gibt | Dr. Azubi der DGB-Jugend, kostenlos. Frage und Antwort erscheinen öffentlich im Forum, deshalb einen Fantasienamen wählen und keinen Betrieb nennen | |
| Streit, der sich nicht lösen lässt | Schlichtungsausschuss der Kammer oder Innung | § 111 ArbGG |
| Angst, die Ausbildung nicht zu schaffen | Assistierte Ausbildung der Arbeitsagentur | § 74 SGB III |
Die Kammer muss nach dem Berufsbildungsgesetz Berater:innen bestellen, die die Ausbildung überwachen und beraten. Sie beraten Auszubildende genauso wie den Betrieb. Die Kontaktdaten finden Sie auf der Website Ihrer Kammer, meist unter „Ausbildungsberatung“.
Die JAV gibt es in Betrieben mit Betriebsrat und mindestens fünf jugendlichen Beschäftigten oder Auszubildenden. Sie nimmt Ihre Anliegen auf und bringt sie zum Betriebsrat. Laut DGB-Report fühlen sich Azubis in Betrieben mit Interessenvertretung deutlich seltener stark belastet: 59,3 Prozent ohne starke Belastung gegenüber 39,7 Prozent in Betrieben ohne.
Der Schlichtungsausschuss ist wichtig, wenn es um eine Kündigung geht. Gibt es ihn bei Ihrer Kammer, muss er vor einer Klage beim Arbeitsgericht angerufen werden.
Wenn Sie ohne Unterstützung voraussichtlich Schwierigkeiten hätten, die Ausbildung zu schaffen: Die Assistierte Ausbildung bietet eine feste Ausbildungsbegleitung, die Sie individuell unterstützt, auch im Betrieb. Fragen Sie bei der Berufsberatung Ihrer Arbeitsagentur danach.
Was gilt, wenn ich kündigen will?
In der Probezeit jederzeit, danach mit vier Wochen Frist, wenn Sie den Beruf aufgeben oder wechseln. Immer schriftlich.
Nach § 22 BBiG kann das Ausbildungsverhältnis in der Probezeit ohne Frist gekündigt werden. Danach können Sie mit vier Wochen Frist kündigen, wenn Sie die Ausbildung aufgeben oder einen anderen Beruf lernen wollen. Die Kündigung muss schriftlich auf Papier erfolgen, eine Mail reicht nicht. Nach der Probezeit müssen Sie darin den Grund nennen, also die Aufgabe der Ausbildung oder den Wechsel des Berufs.
Vor einer Kündigung lohnt sich ein Gespräch mit der Kammer oder der JAV. Oft lässt sich ein Konflikt lösen oder ein Wechsel in einen anderen Betrieb vorbereiten, ohne dass Sie Zeit verlieren.
Wenn der Druck auf die Psyche geht
Sprechen Sie mit jemandem, bevor Sie die Entscheidung allein treffen.
Wenn Sie über Wochen schlecht schlafen, sich vor jedem Arbeitstag fürchten oder ständig an den Abbruch denken, ist das ein Signal, Unterstützung zu suchen. Laut DGB-Report denken 48,7 Prozent der Azubis, die sich in mehr als zwei Bereichen stark belastet fühlen, immer oder häufig über einen Abbruch nach.
Kostenlose Anlaufstellen:
- Nummer gegen Kummer: Das Kinder- und Jugendtelefon unter 116 111 ist für Kinder und Jugendliche da, montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr, anonym und kostenlos.
- Telefonseelsorge: rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, nach Registrierung auch als Chat.
- Hausarztpraxis oder psychotherapeutische Sprechstunde: wenn Sie vermuten, dass Sie krank sind. Die Sprechstunde vermittelt die 116 117. Wie das abläuft, steht im Beitrag Therapieplatz im Studium, die Wege gelten genauso für Auszubildende.
Wenn Sie mindestens 18 Jahre alt sind und zeitnah mit jemandem sprechen möchten, ist psychologische Beratung bei Studifit eine Ergänzung. Wir beraten Auszubildende genauso wie Studierende, per Video, je nach Verfügbarkeit auch abends, zum Beispiel zu Druck im Betrieb oder der Frage, ob Sie die Ausbildung fortsetzen. Rechtsberatung ersetzen wir nicht, dafür sind Kammer und Gewerkschaft da. Studifit ist keine Psychotherapie, keine Kassenleistung und stellt keine Diagnosen. Wenn Sie unter einer psychischen Erkrankung leiden, suchen Sie bitte parallel einen Therapieplatz. Die Preise stehen auf der Preisseite.
In einer akuten Krise
Wenn Sie an Suizid denken oder in Gefahr sind, rufen Sie die Telefonseelsorge an unter 0800 111 0 111 oder den Notruf unter 112. Weitere Nummern finden Sie auf der Seite Hilfe in einer Krise.
Quellen
- DGB-Jugend (2026): Ausbildungsreport 2026, Schwerpunkt mentale Gesundheit
- Bertelsmann Stiftung und IW (2026): Pressemitteilung: Die mentale Gesundheit von Auszubildenden stärken
- Bundesinstitut für Berufsbildung (2026): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026
- § 22 und § 76 BBiG, § 60 und § 70 BetrVG, § 111 ArbGG, § 74 SGB III
- DGB-Jugend: Dr. Azubi
- Nummer gegen Kummer: Kinder- und Jugendtelefon
Alle Angaben in diesem Artikel wurden sorgfältig recherchiert, erfolgen jedoch ohne Gewähr. Angebote, Wartezeiten und gesetzliche Regelungen können sich ändern. Stand: Oktober 2026.