Einsam im Studium: erstes Semester, Umzug, neue Stadt

Einsamkeit im Studium ist häufig, besonders am Anfang und nach einem Umzug. Etwa ein Viertel der Studierenden fühlt sich zumindest manchmal einsam. Es hilft, regelmäßig an denselben Orten dieselben Menschen zu treffen. Wenn die Einsamkeit Sie lähmt, sprechen Sie mit jemandem, zum Beispiel mit der Telefonseelsorge oder der Beratung Ihres Studierendenwerks.
Wie viele Studierende fühlen sich einsam?
Etwa jede vierte studierende Person zumindest manchmal, im Wohnheim deutlich mehr.
Für das TK-Dossier 2026 hat Forsa im Januar 2026 1.000 Studierende befragt, die Ergebnisse zur Einsamkeit erschienen im Oktober. 25 Prozent fühlen sich mindestens manchmal einsam, 4 Prozent häufig. Wie Sie wohnen, macht einen großen Unterschied:
| Wohnform | zumindest manchmal einsam |
|---|---|
| Wohnheim | 43 % |
| Wohngemeinschaft | 34 % |
| allein | 29 % |
| bei Eltern oder Verwandten | 23 % |
| in einer Partnerschaft im selben Haushalt | 17 % |
Die TK nennt keine Fallzahlen je Wohnform. Weil nur ein kleiner Teil der Studierenden im Wohnheim lebt, ist dieser Wert vermutlich unsicherer als die anderen. Er zeigt aber: Viele Menschen um einen herum schützen nicht automatisch vor Einsamkeit.
Junge Erwachsene sind auch Jahre nach der Pandemie häufiger einsam als ältere. Laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung fühlten sich im Winter 2024/2025 rund 21 Prozent der 21- bis 30-Jährigen stark einsam, bei den 31- bis 54-Jährigen waren es 14 Prozent. Von Einsamkeit überhaupt berichteten 42 Prozent der 21- bis 30-Jährigen, 2022 waren es 45 Prozent. Die Lebensphase Anfang 20 gilt in der Forschung als besonders anfällig für Einsamkeit, weil vieles im Übergang ist.
Warum ist der Anfang so schwer?
Weil gleichzeitig alte Verbindungen schwächer werden und neue noch nicht da sind.
Mit dem Umzug fallen der Freundeskreis, die Familie und vertraute Orte weg. Im Studium wechseln die Gruppen von Kurs zu Kurs, viele pendeln oder arbeiten nebenher. Neue Kontakte entstehen leichter, wenn man dieselben Menschen immer wieder sieht. Im ersten Semester fehlt genau das oft.
Wichtig zu wissen: Einsamkeit ist ein Gefühl, kein Urteil über Sie. Viele andere im ersten Semester kennen es auch, sie zeigen es nur selten.
Was hilft gegen Einsamkeit im Studium?
Feste, wiederkehrende Termine mit denselben Menschen und kleine Schritte statt großer Vorsätze.
- Ein fester Termin pro Woche. Hochschulsport, Chor, eine Fachschaft, eine Hochschulgruppe oder ein Ehrenamt. Wichtig ist nicht, was es ist, sondern dass Sie jede Woche wieder hingehen.
- Eine Lerngruppe vorschlagen. In fast jedem Kurs gibt es andere, die genauso gern eine hätten. Sie müssen nur fragen.
- Angebote für Erstsemester nutzen. Viele Hochschulen haben Einführungswochen, Mentoring- oder Buddy-Programme. TK-Chef Jens Baas nennt Mentoring-Programme für Erstsemester als Beispiel für Angebote, die helfen könnten.
- Alte Kontakte pflegen. Ein fester Anruf pro Woche bei einer vertrauten Person hält die Verbindung, während neue entstehen.
- Nicht zu früh aufgeben. Neue Freundschaften brauchen Zeit. Nach drei Wochen niemanden zu kennen ist normal, nicht ein Zeichen, dass es nie klappt.
Wo finde ich an der Hochschule Unterstützung?
Bei der psychologischen Beratung, bei Nightlines und bei den Erstsemester-Angeboten Ihrer Hochschule.
- Psychologische Beratung: Die Arbeitsagentur weist darauf hin, dass es an den meisten Hochschulen eine psychologische Beratungsstelle gibt, die vertraulich berät. Bei den Studierendenwerken ist sie für Studierende meist kostenlos. Mehr dazu im Beitrag Psychosoziale Beratung im Studierendenwerk.
- Nightline: In einigen Hochschulstädten gibt es ein Zuhörtelefon von Studierenden für Studierende, anonym und abends erreichbar. Beispiele sind die Nightline Heidelberg und die Nightline Dresden. Suchen Sie nach „Nightline“ und dem Namen Ihrer Stadt.
- Telefonseelsorge: rund um die Uhr unter 0800 111 0 111. Es gibt auch einen Chat nach Registrierung, mit Termin oder spontan, wenn ein Platz frei ist.
Wann aus Einsamkeit mehr wird
Wenn Sie sich über Wochen zurückziehen, an nichts mehr Freude haben oder kaum noch aus dem Bett kommen.
Einsamkeit und Niedergeschlagenheit verstärken sich gegenseitig. Vielleicht meiden Sie Kontakte, obwohl Sie sich nach ihnen sehnen. Vielleicht ist Ihre Stimmung dauerhaft gedrückt. Dann lassen Sie das abklären. Eine psychotherapeutische Sprechstunde bekommen Sie über die 116 117. Wie das genau geht, steht im Beitrag Therapieplatz im Studium.
Wenn Sie zusätzlich jemanden suchen, mit dem Sie regelmäßig über Ihre Situation sprechen können, ist psychologische Beratung bei Studifit eine Möglichkeit, per Video, je nach Verfügbarkeit auch abends. Studifit ist keine Psychotherapie, keine Kassenleistung und stellt keine Diagnosen. Wenn Sie unter einer psychischen Erkrankung leiden, suchen Sie bitte parallel einen Therapieplatz. Die Preise stehen auf der Preisseite.
In einer akuten Krise
Wenn Sie sich so allein fühlen, dass Sie an Suizid denken, rufen Sie bitte sofort an: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, im Notfall 112. Weitere Nummern stehen auf der Seite Hilfe in einer Krise.
Quellen
- Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2026): Neue Daten zur Aktionswoche gegen Einsamkeit: Jeder fünfte junge Erwachsene fühlt sich stark einsam
- Techniker Krankenkasse (2026): Ein Viertel der Studierenden fühlt sich manchmal einsam
- Bundesagentur für Arbeit: Probleme während des Studiums: Was jetzt?
- TelefonSeelsorge: Chat
Alle Angaben in diesem Artikel wurden sorgfältig recherchiert, erfolgen jedoch ohne Gewähr. Angebote, Wartezeiten und gesetzliche Regelungen können sich ändern. Stand: Oktober 2026.