Prüfungsphase: was in den letzten zwei Wochen wirklich hilft

In den letzten zwei Wochen vor einer Prüfung helfen vor allem drei Dinge: regelmäßig genug schlafen, sich selbst abfragen statt Texte erneut zu lesen und den Stoff auf mehrere Tage verteilen. Bewegung hilft ein wenig gegen Anspannung. Nach einer durchgelernten Nacht leisten Sie am nächsten Tag weniger. Eigene Fehler fallen Ihnen dann schlechter auf.
Hier finden Sie, was Studien dazu sagen, einen Vorschlag für die letzten 14 Tage und Hinweise, wann Prüfungsangst ein Grund ist, sich Unterstützung zu holen.
Warum ist Schlaf wichtiger als eine Nacht mehr Lernen?
Weil Schlaf das Gelernte festigt und weil Ihnen nach Schlafmangel Fehler schlechter auffallen.
Eine Meta-Analyse von Berres und Erdfelder über 271 Stichproben zeigt: Wer nach dem Lernen schläft, erinnert sich später an mehr als nach gleich langer Wachzeit. Der Effekt ist mittelgroß. Rechnet man nicht veröffentlichte Studien mit ein, bleibt er klein, aber deutlich.
Schon eine einzige kurze Nacht mit zwei bis sechs Stunden Schlaf verschlechtert die Daueraufmerksamkeit messbar, das zeigt eine Meta-Analyse über 44 Studien. Wer vor dem Lernen eine Nacht gar nicht schläft, merkt sich danach deutlich weniger, so eine weitere Meta-Analyse. Auch zu kurzer Schlaf schadet dem Behalten, in einer dritten Auswertung ähnlich wie eine durchwachte Nacht.
Besonders tückisch: Nach zu wenig Schlaf fallen einem die eigenen Fehler schlechter auf, so eine Übersichtsarbeit über 28 Studien. Die eigene Leistung schätzen die meisten dann eher vorsichtig ein. Das Gefühl, müde zu sein, ist also da. Die Fehler bemerkt man trotzdem seltener.
Wie gut Sie über längere Zeit schlafen, hängt mit Ihren Noten zusammen, wenn auch schwach. In einer Meta-Analyse mit über 10.000 Medizinstudierenden hatten Studierende mit besserer Schlafqualität im Schnitt etwas bessere Noten. Das zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis.
Für die letzten zwei Wochen heißt das: Halten Sie feste Schlafzeiten, auch wenn der Stoff drängt.
Welche Lerntechniken lohnen sich?
Sich selbst abfragen und den Stoff über mehrere Tage verteilen. Markieren und erneutes Lesen bringen deutlich weniger.
Eine Meta-Analyse von Donoghue und Hattie hat zehn verbreitete Lerntechniken mit 242 Studien nachgerechnet, zwei Drittel der Teilnehmenden waren Studierende. Am meisten brachten verteiltes Lernen und Übungstests. Markieren, Zusammenfassen und erneutes Lesen halfen auch, aber deutlich weniger.
| Lerntechnik | Nutzen laut Donoghue und Hattie (2021) | Was Sie stattdessen oder zusätzlich tun |
|---|---|---|
| Sich selbst abfragen (Altklausuren, Karteikarten) | hoch | täglich, auch für schon „sicheren“ Stoff |
| Verteilt lernen | hoch | jedes Thema an mehreren Tagen wiederholen |
| Erneut lesen | mittel | lesen, dann Buch zu und aus dem Kopf erklären |
| Markieren | mittel | Fragen an den Rand schreiben und später beantworten |
| Zusammenfassen | mittel | Zusammenfassung schreiben, dann daraus abfragen |
Der Nutzen des Abfragens ist gut belegt, auch außerhalb des Labors. Eine Meta-Analyse über 222 Studien in echten Lehrveranstaltungen fand einen mittleren Vorteil, an Hochschulen ähnlich groß wie an Schulen. Gegenüber bloßem Wiederholen war der Vorsprung kleiner, aber klar vorhanden.
Beim Verteilen kommt es weniger auf ausgeklügelte Abstände an als darauf, überhaupt zu verteilen. Eine Meta-Analyse von Latimier und Kolleg:innen fand einen großen Vorteil, wenn man sich an verschiedenen Tagen abfragt statt mehrmals am Stück. Ob die Abstände wachsen oder gleich bleiben, machte keinen messbaren Unterschied.
Hilft Bewegung beim Lernen?
Ein wenig, vor allem gegen Anspannung. Ein Wundermittel ist sie nicht.
Eine Auswertung von 30 Meta-Analysen mit über 18.000 Personen fand nach einer einzelnen Sporteinheit einen kleinen bis mittleren Vorteil für die Denkleistung, am deutlichsten bei der Aufmerksamkeit. Eine Meta-Analyse mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigt, dass eine einzelne Einheit Ausdauersport die momentane Angst leicht senkt. Etwas stärker wirkten ruhige Bewegungsformen wie Yoga. Ein Spaziergang zwischen zwei Lernblöcken ist also keine verlorene Zeit, ersetzt aber weder Schlaf noch gutes Lernen.
Ein Vorschlag für die letzten 14 Tage der Prüfungsphase
Erst überblicken und abfragen, dann gezielt Lücken schließen, am Ende nichts Neues mehr.
Der Plan ist ein Vorschlag, abgeleitet aus den Studien oben. Passen Sie ihn an Ihre Prüfung an.
| Zeitraum | Schwerpunkt | Konkret |
|---|---|---|
| Tag 14 bis 8 | Überblick und erste Abfragerunde | Stoff in Themen teilen, je Thema eine Abfrage, Lücken notieren |
| Tag 7 bis 3 | Lücken schließen, wiederholen | jedes Thema mindestens zweimal abfragen, mit Abstand von ein bis zwei Tagen |
| Tag 2 bis 1 | Altklausur unter Prüfungsbedingungen | nur noch wiederholen, nichts Neues, früh ins Bett |
| Prüfungstag | ruhig ankommen | normal frühstücken, Weg und Unterlagen am Vorabend klären |
An jedem Tag gilt: feste Schlafzeiten, Pausen mit Bewegung, Lernblöcke mit klarer Aufgabe statt „lernen bis abends“.
Wann Prüfungsangst ein Grund für Unterstützung ist
Wenn die Angst Sie am Lernen hindert, über Wochen den Schlaf raubt oder Sie Prüfungen meiden.
Prüfungsangst ist häufig. Im Gesundheitsbericht der Freien Universität Berlin gaben 26,4 Prozent der befragten Studierenden an, in den letzten zwölf Monaten Beratungsbedarf wegen Prüfungsangst gehabt zu haben. Nur ein kleiner Teil davon hat sich tatsächlich Beratung gesucht. Der häufigste Grund für alle Themen: keine Zeit.
Holen Sie sich Unterstützung, wenn Sie eines davon bei sich bemerken:
- Sie können sich trotz Zeit nicht zum Lernen bringen, weil die Angst zu groß ist.
- Sie schlafen über Wochen schlecht, haben Herzrasen oder Übelkeit beim Gedanken an die Prüfung.
- Sie haben schon Prüfungen verschoben oder geschwänzt, weil Sie es nicht ausgehalten haben.
Kostenlos helfen die psychologischen Beratungsstellen der Hochschulen und Studierendenwerke. Viele bieten Workshops oder Gruppen zu Prüfungsangst an, etwa die Universität Duisburg-Essen, jeweils für die eigenen Studierenden. Die FernUniversität in Hagen berät ihre Studierenden kostenlos zu Prüfungsangst und Aufschieben. Fragen Sie an Ihrer Hochschule nach einem ähnlichen Angebot. Wie Sie die Beratung Ihres Studierendenwerks finden, steht im Beitrag Psychosoziale Beratung im Studierendenwerk.
Wenn Sie dort warten müssen und vor der Prüfung jemanden zum Sprechen brauchen, ist psychologische Beratung bei Studifit eine Möglichkeit, per Video, je nach Verfügbarkeit auch abends. Studifit ist keine Psychotherapie, keine Kassenleistung und stellt keine Diagnosen. Wenn Ihre Angst über die Prüfungsphase hinaus Ihren Alltag bestimmt, suchen Sie bitte parallel einen Therapieplatz. Die Preise stehen auf der Preisseite.
Wenn nichts mehr geht
Wenn Sie in der Prüfungsphase an Suizid denken oder es Ihnen sehr schlecht geht, rufen Sie die Telefonseelsorge an: 0800 111 0 111, kostenlos und rund um die Uhr. Bei Lebensgefahr wählen Sie die 112. Eine Prüfung lässt sich mit einem Attest in der Regel verschieben und nachholen.
Quellen
- Berres, S. und Erdfelder, E. (2021): The sleep benefit in episodic memory: An integrative review and a meta-analysis. Psychological Bulletin
- Wüst, L. N. et al. (2024): Impact of one night of sleep restriction on sleepiness and cognitive function. Sleep Medicine Reviews
- Newbury, C. R. et al. (2021): Sleep deprivation and memory: Meta-analytic reviews of studies on sleep deprivation before and after learning. Psychological Bulletin
- Crowley, R. et al. (2024): A systematic and meta-analytic review of the impact of sleep restriction on memory formation. Neuroscience & Biobehavioral Reviews
- Boardman, J. M. et al. (2021): The impact of sleep loss on performance monitoring and error-monitoring. Sleep Medicine Reviews
- Seoane, H. A. et al. (2020): Sleep disruption in medicine students and its relationship with impaired academic performance. Sleep Medicine Reviews
- Donoghue, G. M. und Hattie, J. A. C. (2021): A Meta-Analysis of Ten Learning Techniques. Frontiers in Education
- Yang, C. et al. (2021): Testing (quizzing) boosts classroom learning: A systematic and meta-analytic review. Psychological Bulletin
- Latimier, A. et al. (2021): A Meta-Analytic Review of the Benefit of Spacing out Retrieval Practice Episodes on Retention. Educational Psychology Review
- Chang, Y. K. et al. (2025): Effects of acute exercise on cognitive function: A meta-review of 30 systematic reviews with meta-analyses. Psychological Bulletin
- Tian, J. et al. (2024): Comparative Efficacy of Acute Exercise Intervention on Anxiety in Adolescents and Young Adults. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports
- Freie Universität Berlin (2025): Gesundheitsbericht, Faktenblatt Beratungsbedarf und Inanspruchnahme von Beratung
Alle Angaben in diesem Artikel wurden sorgfältig recherchiert, erfolgen jedoch ohne Gewähr. Angebote, Wartezeiten und gesetzliche Regelungen können sich ändern. Stand: Oktober 2026.